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Together for Fact News: Christian Drosten über Wissenschaftsjournalismus und Wissenschaftler in der Öffentlichkeit

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, hat sich in einem ausführlichen Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Volker Stollorz zum Wissenschaftsjournalismus und der besonderen Verantwortung von Wissenschaftlern in der Medienöffentlichkeit geäußert. „Wenn ein Politiker in einer Talkshow sagt, die Virologen ändern ständig ihre Meinung, dann stimmt das gar nicht. (...) Man kann vielleicht sagen, die eigene Meinung ist der Stand des Wissens mit einer eigenen Nuance oder Präferenz“, so Drosten.

Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in der Medienöffentlichkeit bewegen, hat er einen besonderen Rat: „Ich glaube, der allerwichtigste Rat an jeden beliebigen Wissenschaftler ist, sich nur in der Öffentlichkeit zu äußern zu dem Thema, mit dem man sich absolut auskennt. Denn, auch wenn man es in der Öffentlichkeit nicht merkt, dass das, was man sagt, falsch ist, werden es Fachkollegen doch immer merken und immer auch die Zwischentöne verstehen und nach kürzester Zeit unterscheiden zwischen den Personen, die sich fürs Fach in der Öffentlichkeit in richtiger Art und Weise äußern, und den Personen, die sich mit dem Fach für die eigene Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit – sagen wir: darstellen.“

Das Interview wurde im Rahmen der Initiative „Together for Fact News“ des Science Media Centers Germany geführt, für die sich Drosten engagiert. Befragt zur besonderen Bedeutung des Wissenschaftsjournalismus, sagt Drosten: „Es gibt natürlich für mich spürbare Unterschiede zwischen politischem Journalismus und Wissenschaftsjournalismus, das ist ja klar. Schon allein das Umgehen mit Referenzierungen. Also: Was sage ich hier eigentlich? Stimmt das? Und wie ist das überprüft? Ist das von einer primären Quelle überprüft? Gehe ich zur wissenschaftlichen Quelle zurück, oder gehe ich einfach nur zu anderen Medienquellen zurück, deren Wahrheitsgehalt aber gar nicht überprüft wurde? Wie wertet man eigentlich das Gewicht eines Satzes oder eines Halbsatzes, den jemand mündlich gesagt hat, gegenüber einem wissenschaftlichen Werk, an dem jemand drei Jahre gearbeitet hat? Das scheint mir manchmal im politischen Journalismus fast gleichberechtigt nebeneinander zu stehen.“



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